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Helge Billerbeckgestorben am 29. Dezember 2025

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heute war unser letzter weg zusammen, eigentlich wollte ich diese worte vorlesen.. aber ich hab’s nicht geschafft.

Papa im juni hat unsere geschichte endlich angefangen.
nicht weil vorher nichts da war, sondern weil wir uns da wirklich begegnet sind.
ohne schutz. ohne ausreden.
und du wurdest schneller mein lieblingsmensch, als mir lieb war.
vielleicht, weil ich tief drin wusste, dass uns nicht viel zeit bleibt.

von anfang an stand dieser gedanke im raum:
dich endlich richtig kennenzulernen, nur um dich wieder zu verlieren.
das war schwer.
aber ich habe mich trotzdem dafür entschieden.
weil es schlimmer gewesen wäre, es nicht zu versuchen.
weil ich lieber Schmerz wollte als Leere.

der sommer mit dir war alles zugleich.
schön und schlimm.
leicht und erdrückend.
wir haben gelacht, wir haben geweint, wir haben geredet – stundenlang.
manchmal so viel, dass ich dachte, wir holen die verlorenen jahre auf.
und manchmal war da diese Angst im Hintergrund,
dass die zeit schneller läuft als wir.

als du ins krankenhaus musstest, bin ich mitgegangen.
nicht aus pflicht.
sondern weil ich dich nicht alleine lassen konnte.
weil ich wollte, dass du weißt:
da ist jemand, der bleibt.
egal wie schwer es wird.
egal wie du aussiehst.
egal wie müde du bist.

ich habe versucht, stark zu sein.
für dich.
manchmal auch für alle anderen.
und dabei habe ich meine eigenen grenzen ignoriert.
meine krankheit.
meine erschöpfung.
meine angst.

und trotzdem waren da diese zeiten, in denen ich nicht da sein konnte.
zeiten, in denen das leben mir steine in den weg gelegt hat,
die ich nicht einfach umgehen konnte.
das ist der teil, der mich zerreißt.
nicht, weil ich dich nicht wollte –
sondern weil ich dich so sehr wollte.

mein abstand war nie ein abstand zu dir.
aber erklär das mal jemandem,
wenn man selbst kaum luft bekommt.
wenn man funktioniert, statt lebt.
wenn man innerlich kämpft und nach außen still ist.

dann ging alles viel zu schnell.
zu schnell für meinen kopf.
zu schnell für mein herz.
du wurdest leiser.
dein körper schwächer.
und trotzdem habe ich immer wieder gedacht:
vielleicht dreht sich das noch.
vielleicht kriegen wir noch zeit.

als ich bei dir war, kurz bevor du gegangen bist,
konnte ich nicht glauben, was ich sehe.
dein körper war noch da –
aber etwas war schon auf dem weg.
deine atemzüge waren unruhig.
deine haut kalt.
und trotzdem hatte ich immer wieder das gefühl,
du atmest noch.
als würde mein herz sich weigern zu akzeptieren,
dass das hier wirklich passiert.

und dann hast du deine augen geschlossen.
und sie nie wieder geöffnet.

ich war dabei.
und trotzdem fühlt es sich bis heute nicht real an.
als hätte jemand einen teil von mir einfach aus dem leben geschnitten
und mir gesagt, ich soll damit klarkommen.

unsere geschichte war nicht lang.
aber sie war intensiv.
ehrlich.
und sie hat mich für immer verändert.

jetzt muss ich jeden tag lernen,
mit dem weiterzuleben, was fehlt.
mit den gesprächen, die nie mehr kommen.
mit den sprachnachrichten, die nicht mehr auftauchen.
mit dem gedanken:
„das hätte ich dir noch sagen wollen.“

ich weiß nicht, wie man das aushält.
ich weiß nur, dass ich es muss.

und trotzdem –
trotz allem –
bin ich dankbar.
für jede minute.
für jeden blick.
für jede nacht, in der wir geredet haben,
als hätten wir alle zeit der welt.

du bist weg.
aber du bist nicht fort.
du bist in mir.
in allem, was jetzt weh tut.
und in allem, was irgendwann wieder leben wird.

und wenn es irgendwann ein wiedersehen gibt,
dann hoffe ich, dass du weißt:
ich habe dich geliebt.
nicht halb.
nicht leise.
sondern mit allem, was ich hatte.